
Wanderungen in Solingen
Hundekarren für den Transport von Schneidwaren gehörten noch Anfang des 20. Jahrhunderts zum alltäglichen Solinger Stadtbild. Mit den Karren wurden unter anderem auch Schneidwaren zwischen den Werkstätten der Schmiede, Schleifer und Reider transportiert.
Die Besitzer mussten bei der Amtpolizei einen Erlaubnisschein für die Haltung eines Ziehhundes beantragen. Die Behörde untersuchte die Tauglichkeit des Hundes und gab einen gekennzeichneten Maulkorb aus. Der Erlaubnisschein wurde jährlich verlängert und enthielt neben einer kurzen Beschreibung des Hundes, den Namen des Besitzers und das zulässige Zuggewicht. Eine Polizeiverordnung von 1870 legte zusätzlich fest, daß die Ziehhunde an der Leine zu führen und beim Halt auszuspannen seien. Der Personentransport und die Benutzung des Bürgersteigs waren nicht erlaubt. Bei einer Übertretung dieser Vorschriften verhängte die Polizei Strafen von bis zu 15 Mark. Bei dreimaliger Übertretung drohte der Entzug der Erlaubnis zur Haltung eines Ziehhundes. Die Ausstellung der Erlaubnis war gratis und befreite von der Hundesteuer.
Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich der Solinger Tierschutzverein um ein Verbot der Hundekarren. Der Tierschutzverein forderte eine stärkere Kontrolle der erlaubten Zuglasten und den Ersatz der Hunde durch Esel oder Maultiere. Der Verein prangerte in Schreiben an die Stadt mehrmals Misshandlungen von Ziehhunden an. Viele Tiere waren offensichtlich unterernährt und von den schweren Lasten körperlich geschwächt. Als Folge der Eingaben verabschiedete die Verwaltung 1911 eine neue Polizeiverordnung, die einachsige Hundekarren verbot, Trinkgefäße und im Winter die Mitnahme einer Decke für den Hund vorschrieb. Zu dieser Zeit waren allein in Höhscheid noch 15 Ziehhunde in Gebrauch.
Noch 1915 beantragte der Fabrikant W. Schlösser die Genehmigung einer Ziehhundkarre für den Transport von Säbelscheiden.
Die Haltung von Ziehhunden beschränkte sich nicht allein auf Solingen. In ganz Deutschland waren Hunde als Zugtiere für Milch-, Bäcker-, Metzger oder Lumpenwagen bis in die 1930er Jahre üblich. Erst die Beschwerden der Tierschutzbewegung sorgten für die endgültige Verdrängung der Ziehhunde.
W. K.
Mir freundlicher Genehmigung, Fotos u. Text: © Stadtarchiv Solingen und Rheinisches Industriemuseum, Dr. Putsch
Leitseite "Historische Wanderungen - Transport und Verkehr in Solingen"



Geschichte der Zughunde
